Interview mit Corinna: Vom Bauchwehkind zur Zöliakie Diagnose
Februar 22, 2020
Jenni

Interview-Serie: Ein Blick in die Vergangenheit – So war das Leben mit Zöliakie früher. Teil 1

Jenni Marieni
Das ist Teil 1 der Interview-Serie „Ein Blick in die Vergangenheit: Wie war das Leben als mit Zöliakie früher & was hat sich verändert?“.

Das sind alle Interviews der Serie:

1| Hallo Corinna, stelle dich gerne vor.

Hallo, mein Name ist Corinna und ich komme aus Alberschwende, Vorarlberg. Ich bin glücklich verheiratet und Stiefmutter von drei inzwischen Jugendlichen 😉

2| Seit wann hast du die Diagnose Zöliakie?

Meine Diagnose Zöliakie habe ich seit dem Sommer 2005, kurz vor meinem 17. Geburtstag.

3| Wie war dein Weg zur Diagnose damals?

Mein Weg bis zur Diagnose war sehr anstrengend und zermürbend. Ich war immer das typische „Bauchwehkind“ und musste damit irgendwie zurecht kommen.

Mein Traumberuf war Köchin und daraufhin besuchte ich die Hotelfachschule. Während den Praktikas und der Schulzeit wurde es immer schlimmer und schlimmer. Es war kaum auszuhalten. Die Ärzte wussten keinen Rat. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon ein bisschen mehr auf den Rippen, also nicht typisches Zöliakiestandard wie dazumal. 2 von 3 Tests auf Zöliakie waren negativ.

Glutenfreier Apfelstrudel
Seit 12 Jahren mein erster Apfelstrudel mit Vanillesauce…
glutenfreie Fruchtknödel
…und der erste Fruchtknödel in Sauce.

Es wurde immer schlimmer, musste mindestens einmal in der Woche zum Arzt, ich wurde immer blasser und nahm ab, obwohl ich soviel in mich reinschauffelte (vermutlich aufgrund der niedrigen Nährstoffaufnahme). Der Hausarzt schickte mich zum Internisten bezüglich einer Magenspiegelung.

Dieser schickte mich ohne Magenspiegelung wieder nach Hause mit dem Spruch „was wird eine 16 jährige schon weltbewegendes haben, es sei psychisch“ und so ging es ca. 6 Monate hin und her zwischen Hausarzt und Internist. Immer wieder wurde ich mit Verdacht auf Blinddarmentzündung zum Teil mit der Rettung durch einen Arzt eingewiesen. Schlussendlich wurde ich dann immer mit einer Großpackung Abführmittel nachhause geschickt, mit dem faden Beigeschmack, ich würde mir das alles nur einbilden. Der Blinddarm war zwar leicht entzündet, ich hatte Blähungen und Flüssigkeit im Bauch, mehr konnte nie festgestellt werden.

Im Enddefekt wurde dann schlussendlich nach dem xten Zusammenbruch, in dem ich wieder mit der Rettung eingeliefert wurde eine Magenspiegelung gemacht. Dann kam schlussendlich heraus, dass ich Zöliakie mit Zottenatrophie hatte und zusätzlich noch das Magenbakterium Helico Bacter Pylori.

Das Ganze war kurz vor meinem Abschlussjahr in der Hotelfachschule, und mein Traumberuf platzte wortwörtlich wie eine Seifenblase.

4| Wie ging es dir damals? Wie war das glutenfreie Angebot im Supermarkt, im Restaurant? Wie war das Wissen über Zöliakie?

Schlussendlich war ich froh, obwohl es eine anstrengende und nervenraubende Tortour war. Die Umstellung war so kompliziert, das ich einfach mal mich 2 Monate hauptsächlich von Obstsalat ernährte.

Das Angebot von glutenfreiem im Supermarkt war ziemlich rar. Man musste alles toasten oder aufbacken. Entweder war das belegte Brot, schlapprig wie Pudding oder so steinhart das dir die Zähne fast abbrachen. Geschmeckt hat es nach Pappkarton 😉

Im Restaurant gab es fast gar nichts zu essen, sogar bei Salaten musste man aufpassen. Damals gab es die Allergeninfos noch nicht. So gut wie niemand wusste über Zöliakie bescheid, sogar die Ärzte hatten Probleme damit. Man wurde als Hypochonder, „hoacklig“ oder als komplett bescheuert hingestellt. Verständnis hatte kaum jemand. Mein damaliger Kochlehrer behauptete, das würde es gar nicht geben.

5| Wie geht es dir heute mit der Zöliakie? Was hat sich verändert seitdem du damals die Diagnose bekommen hast?

Heute geht es mir super mit der Zöliakie. Ich stress mich da auch nicht mehr so, wie ich es von vielen anderen mitbekomme. Wenn z.B. die Pfanne abgewaschen wurde, benutze ich dieselbe, egal ob glutenhaltige Speisen darin gekocht wurden. Bei Kontrollen ist immer alles tiptop, darum tue ich mir denn Stress nicht mehr an. Ich habe bemerkt, dass solcher Stress mir und meinem Darm nur mehr schadet wie nutzt.

Ansonsten hat sich sehr sehr viel geändert, alleine schon die Auswahl an Lebensmittel! Und vor allem die Allergeninfos sind so hervorragend praktisch, denn dies erspart sehr viel Zeit und Stress beim einkaufen. Auch der Geschmack und die Qualität der Produkte sind so hervorragend geworden, es ist inzwischen ein richtiger Genuss geworden.

Klar muss man immer noch aufpassen, gerade wenn man auswärts isst. Hier hat sich zwar einiges geändert, aber meist bleibt da doch nur der Grillteller übrig. Es kann natürlich auch sein, dass hier einiges an mir vorbei gegangen ist 😉

Corinna in Scheidegg
Das war 2016, erstes Mal Richtig von vorne bis hinten mit glutenfreiem Essen verwöhnt worden, damals in Scheidegg. Das in der Mitte bin ich.

Liebe Corinna, vielen Dank für das spannende Interview, deine Offenheit und, dass du uns einen Einblick in dein Leben mit Zöliakie gegeben hast!

Jenni

Jenni

Hallo! Ich bin Jenni. Zöli. Mutmacherin. Entdeckerin. Naturkind. wienverliebt. Mit JenniMarieni.at möchte ich dir Tipps für das Leben mit Zöliakie geben und dir Mut machen, auch mit einer Autoimmunerkrankung das Leben so richtig zu genießen. Meine Liebe zu Wien ist auf meinem Blog genauso Thema, wie positive Gedanken und glutenfreie Entdeckungen.
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