Was ist Zöliakie und ist ein Brösel wirklich so schlimm?
November 1, 2020
Jenni

Was ist Zöliakie und ist ein Brösel wirklich so schlimm?

Jenni Marieni

Zölia-was? Was ist Zöliakie und ist ein Brösel Gluten oder Weizen wirklich so schlimm? All das versuche ich in diesem Beitrag zu erklären. Die Diagnose Zöliakie beeinflusst mein ganzes Leben.

Zöliakie ohne Symptome

Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung. Etwa 1% der Bevölkerung in Europa ist davon betroffen.

Oft wird die Zöliakie mit einer Laktose- oder Fruktoseunverträglichkeit gleichgesetzt. Nehme ich kleine Mengen Milch zu mir, habe ich kurze Zeit darauf Bauchschmerzen. Das ist unangenehm, aber nicht weiter tragisch für meine Gesundheit. Bei meiner Zöliakie ist das anders. Bei jeder glutenhaltiger Nahrungsaufnahme bildet mein Körper Antikörper, die sich gegen mein Gewebe richten und meine Darmzotten zerstören.

Die Folge? Ich kann keine Nährstoffe mehr aufnehmen. Die Aufgabe der Dünndarmzotten ist es, lebenswichtige Nahrungsbestandteile zu verdauen und aufzunehmen. Sind die Darmzotten zerstört ist das nicht mehr möglich. Es treten Mangelzustände auf.

Die Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen steigt dadurch erheblich, beispielsweise eine Entzündung der Schilddrüse oder im schlimmsten Fall sogar Krebs.

Glutenfrei bedeutet nicht automatisch Zöliakie-geeignet!

Zöliakie Betroffene reagieren dabei schon auf minimalste Mengen an Gluten. Selbst ein klitzekleiner Brösel richtet bereits einen Schaden in unserem Körper an. Und nein, wir übertreiben nicht!

Der Trend der glutenfreien Ernährung ist deswegen Fluch und Segen zugleich für uns. Auf der einen Seite gibt es seit dem glutenfreien Diät-Hype ein deutlich größeres Angebot an glutenfreien Restaurants und Lebensmitteln. Gleichzeitig wird die Autoimmunerkrankung Zöliakie oft nicht Ernst genommen.

Mehlstaub auf dem Finger

Wir Zölis müssen strikt auf jegliche Kontamination achten.

  • Wurde die glutenfreie Pizza mit demselben Messer geschnitten, wie die normale?
  • Für die glutenfreien Nudeln wurde dasselbe Sieb verwendet oder
  • im Kuchen ist nur ganz, ganz wenig Dinkelmehl?

Für Menschen, die freiwillig auf Gluten verzichten ist das kein Problem. Für uns Zölis bedeutet das bereits kurz- oder langfristige gesundheitliche Schäden für unseren Körper. Gastronomen wissen nicht immer Bescheid über Zöliakie. Der letzte „ich esse kein Gluten, weil das viel gesünder ist“-Gast hatte kein Problem ein paar Croutons im Salat zu essen. Warum macht dann der Zöli so einen Aufstand deswegen?

Welche Symptome gibt es bei Zöliakie?

Ein Grund, warum wir so einen „Aufstand“ machen sind die Symptome. Diese sind bei Zöliakie sehr individuell. Häufig treten Magen- und Darmbeschwerden auf, und

  • Übelkeit + Erbrechen
  • Durchfall
  • aufgeblähter Bauch
  • Bauch- & Magenschmerzen
  • Antriebslosigkeit
  • Eisenmangel
  • Osteoporose
  • Nährstoffmangel
  • Unerfüllter Kinderwunsch oder Fehlgeburten
  • bei Kindern: Wachstums- und Entwicklungsstörungen
  • oder auch gar keine Symptome!

Zu unterscheiden ist auch zwischen sofortigen Symptomen und Langzeitschäden. Während sich Durchfall und Übelkeit sofort oder in einem gewissen zeitlichen Abstand zum Genuss von glutenhaltigen Speisen auftritt, sind andere Symptome – wie ein unerfüllter Kinderwunsch – oft erst langfristig erkennbar.

Jeder Zöli reagiert anders

Die Symptome sind nicht nur in ihrer Art sehr unterschiedlich, sondern auch in der Intensität. Während manche Zölis so stark auf Gluten reagieren, dass ein Krankenhausbesuch notwendig ist, spüren andere Zölis kaum oder gar keine sofortigen Symptome.

Ich selbst spüre keine oder kaum merkbare Symptome beim Essen von glutenhaltigen Speisen. So genau kann ich das allerdings nicht sagen, denn ich habe seit meiner Diagnose kein Gluten mehr gegessen.  Meine  Zöliakie Diagnose war Teil einer Routinekontrolle. Beschwerden hatte ich allerdings nie, bis auf einmal bei meinem ersten vermutlichen Glutenunfall.

Eine Zöliakie ohne kurzfristige Symptome nennt sich atypische Zöliakie oder stille Zöliakie.

Egal ob du sofort reagierst oder eine stille Zöliakie hast: In beiden Fällen wird bei falscher Ernährung der Dünndarm beschädigt und Langzeitfolgen treten ein. Das tückische an der stillen Zöliakie ist, dass du es womöglich erst Jahre später merkst. Eine strikte glutenfreie Ernährung ist der einzige Weg Langzeitfolgen zu vermeiden und ein gesundes Leben zu führen.

Risikofaktoren bei Zöliakie?

Zöliakie wird häufig vererbt. Hat eine Person in deiner Familie Zöliakie? Dann sollten sich unbedingt deine Eltern, Geschwister und Kinder auch testen lassen. Das nennt sich dann Familienscreening. Auch wenn keine Symptome vorhanden sind! Denn die stille Zöliakie und ihre Langzeitfolgen sind genauso schädlich für den Körper.

Jenni Marieni

Hast du die Vermutung Zöliakie zu haben?

Wenn du glaubst auch Zöliakie zu haben, dann ist das allerwichtigste: Iss weiterhin Gluten! Das klingt auf den ersten Blick paradox, ist allerdings ganz, ganz wichtig um eine korrekte Diagnose stellen zu können!

Der erste Schritt beim Verdacht auf Zöliakie ist eine Blutuntersuchung. Diese Untersuchung ist nur aussagekräftig wenn du genügend Gluten zu dir genommen habe. Deswegen ist es unbedingt wichtig weiterhin Gluten zu essen!

Bestätigt die Blutuntersuchung deinen Verdacht auf Zöliakie ist eine Magenspiegelung der nächste Schritt. Keine Sorge das klingt schlimmer, als es dann wirklich ist! Erst nach der Magenspiegelung ist ersichtlich wie sehr deine Dünndarmzotten in Mitleidenschaft gezogen sind und ob die Diagnose Zöliakie gesichert ist. Achtung: Der Weg zur Diagnose kann in Deutschland, der Schweiz und in anderen Ländern abweichen. Mehr Information dazu findest du bei der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Zöliakie.

Zöliakie – was jetzt?

Hast du die gesicherte Diagnose Zöliakie? Willkommen im Club der Zölis! Auch, wenn es sich anfangs wie ein Schock anfühlt, es gibt weitaus schlimmere Erkrankungen als Zöliakie. Mit ein bisschen Planung, dem richtigen Wissen und einer positiven Einstellung ist deine Zöliakie kein Grund für Trübsal!

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Glutenfrei leben und genießen ist mit dem richtigen Wissen gut möglich! Die Diagnose ist anfangs oft eine Herausforderung, mit der Zeit aber gut machbar!

Wie geht es dir mit deiner Diagnose?

Schreib mir gerne einen Kommentar!

 

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Jenni

Jenni

Hallo! Ich bin Jenni. Zöli. Mutmacherin. Entdeckerin. Naturkind. wienverliebt. Mit JenniMarieni.at möchte ich dir Tipps für das Leben mit Zöliakie geben und dir Mut machen, auch mit einer Autoimmunerkrankung das Leben so richtig zu genießen. Meine Liebe zu Wien ist auf meinem Blog genauso Thema, wie positive Gedanken und glutenfreie Entdeckungen.
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